Andreas Fennel schneidet einen Beitrag über das neue Buch von Jan Weiler. Das Vogelhaus
Sendung: nächsten Samstag in Wdr Westart
Leistung: Schnitt und After Effects
„Das Vogelhaus
‚Das Vogelhaus’ ist mein neunter Roman. Er ist zwischen Dezember 2025 und Mai 2026 entstanden. Wobei: Das stimmt so nicht. Eigentlich ist er zwischen September 1988 und Mai 2026 entstanden, also in der Zeit zwischen meinem Zivildienst und der Abgabe des Manuskriptes.
Damals habe ich viel erlebt, das mich beeindruckt und geprägt hat. Ich denke immer noch oft an diese Zeit und fand immer, dass man die Ereignisse während meines Zivildienstes in einem größeren Zusammenhang erzählen könnte. Der fiel mir bloß nicht ein und 2010 wurde der Zivildienst abgeschafft. Damit war das Thema für mich auch erledigt. Aber nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine wurde dann doch wieder über den Wehrdienst diskutiert. Und damit auch über den Zivildienst. Und ich fand, es sei ein guter Zeitpunkt, noch einmal über diesen Roman nachzudenken.
Er handelt von einem Mann namens Leonard Beck, der in seine Heimat kommt, weil seine Mutter ihm eine Immobilienanzeige geschickt hat. Da ist ein Haus zu verkaufen, dass er aus seiner Jugend kennt. Das Vogelhaus. Leonard hat dort einen Teil seines Zivildienstes geleistet und obwohl er keinerlei gute Erinnerungen daran hat, zieht ihn dieses kleine Siedlungshaus magisch an. Die Ängste, unter denen er bis heute leidet, haben nämlich etwas mit diesem geisterhaften Ort zu tun. Wenn er frei sein will, muss er herausfinden, was ihm damals verborgen geblieben ist.
Ich habe schon einmal eine Kurzgeschichte über das Thema geschrieben, welches vor sieben Jahren im SZ-Magazin veröffentlicht wurde. Der Roman hat damit nur noch wenig zu tun, aber die Vögel gab es schon damals und die Ängste des Protagonisten auch.
Das ganze Buch spielt diesmal am Niederrhein. Das ist aber nicht entscheidend. Er könnte genauso gut im Münsterland, auf der Schwäbischen Alb oder in Niederbayern spielen. Aber am Niederrhein kenne ich mich nun einmal besser aus.
Der Roman unterschiedet sich stark von allen Vorgängern, weil er deutlich düsterer ist. Das liegt am Thema und an den Erfordernissen, die so eine Geschichte an den Sound des Textes stellt. Es ist streckenweise ganz schön gruselig, aber natürlich gibt es auch viele heitere Momente, weil sie mir beim Erzählen immer wichtig bleiben werden. Und ich habe zum ersten Mal ganz anders gearbeitet als sonst. Normalerweise schreibe ich mir vorher nichts auf, sondern denke mir das ganze Buch erst komplett aus und schreibe es dann auf. Das ging diesmal nicht. Zu viel Personal, ein häufiger Wechsel der Zeitebenen. Dann noch Bezüge zwischen den Kapiteln, Hinweise auf spätere Ereignisse, Figurenentwicklung und zahlreiche Wendungen, die nur an bestimmten Stellen eintreten können. Es war einfach zu kompliziert, um es alles im Kopf zu behalten. Also habe ich zum ersten Mal mit Zetteln an der Wand in unterschiedlichen Farben für die handelnden Personen und Zeitachsen gearbeitet. Es hat mir richtig widerstrebt, aber am Ende war ich froh darüber, weil ich sonst immer noch daran sitzen und womöglich nie fertig würde.
Es wird diesmal nur wenige Lesungen dazu geben, die Termine findet Ihr im Tourplan. Ich freue mich auf Euch!“
Jan Weiler (* 28. Oktober1967 in Düsseldorf) ist ein deutscher Journalistund Schriftsteller. Er wurde 2003 mit dem RomanMaria, ihm schmeckt’s nicht! bekannt. Gelegentlich ist er als Drehbuchautor tätig.
Werke
- Maria, ihm schmeckt’s nicht! Geschichten von meiner italienischen Sippe. Roman, Ullstein, Berlin 2003, ISBN 3-548-36486-1.
- Antonio im Wunderland. Kindler, Reinbek bei Hamburg 2005, ISBN 3-463-40484-2.
- In meinem kleinen Land. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2006, ISBN 3-499-62199-1.
- Gibt es einen Fußballgott? Kindler, Reinbek bei Hamburg 2006, ISBN 3-463-40501-6.
- Land in Sicht. Eine Deutschlandreise. Heyne, München 2007, ISBN 978-3-89910-372-4(Fotos von Rainer Sülflow)
- Drachensaat. Kindler, Reinbek bei Hamburg 2008, ISBN 978-3-463-40539-1.
- Mein Leben als Mensch. Kindler, Reinbek bei Hamburg 2009, ISBN 978-3-463-40571-1(Illustrationen von Larissa Bertonasco).
- Hier kommt Max! Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2009, ISBN 978-3-499-21520-9(Illustrationen von Ole Könnecke).
- Max im Schnee. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2010, ISBN 978-3-499-21578-0.
- Mein neues Leben als Mensch. Kindler, Reinbek bei Hamburg 2011, Illustrationen von Larissa Bertonasco, ISBN 978-3-463-40619-0
- Das Buch der 39 Kostbarkeiten. Kindler, Reinbek bei Hamburg 2011, ISBN 978-3-463-40609-1.
- Das Pubertier. (Pubertier-Reihe, Band 1), Kindler, Reinbek bei Hamburg 2014, Illustrationen von Till Hafenbrak, ISBN 978-3-463-40655-8 (Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste vom 5. Mai bis zum 8. Juni und vom 18. bis zum 24. August 2014)
- Kühn hat zu tun. (Kommissar-Martin-Kühn-Reihe, Band 1), Kindler, Reinbek bei Hamburg 2015, ISBN 978-3-463-40643-5.
- Im Reich der Pubertiere. (Pubertier-Reihe, Band 2), Kindler, Reinbek bei Hamburg 2016, Illustrationen von Till Hafenbrak, ISBN 978-3-463-40661-9 (Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste vom 13. Februar bis zum 11. März 2016)
- Und ewig schläft das Pubertier. (Pubertier-Reihe, Band 3), Piper, München 2017, Illustrationen von Till Hafenbrak, ISBN 978-3-492-05772-1
- Kühn hat Ärger. (Kommissar-Martin-Kühn-Reihe, Band 2), Piper, München 2018, ISBN 978-3-492-05757-8
- Kühn hat Hunger. (Kommissar-Martin-Kühn-Reihe, Band 3), Piper, München 2019, ISBN 978-3-492-05876-6
- Die Ältern. (Pubertier-Reihe, Band 4), Piper, München 2020, Illustrationen von Till Hafenbrak, ISBN 978-3-492-07064-5
- Der Markisenmann. Heyne, München 2022, ISBN 978-3-453-27377-1
- Älternzeit. Heyne, München 2023, Illustrationen von Till Hafenbrak, ISBN 978-3-641-28592-0
- Munk. Heyne, München, 2024, ISBN 978-3-453-27378-8













